Umwelt-Wiki
(dead links)
Markierung: Visuelle Bearbeitung
 
(3 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
 
[[Bild:Gehzeug.jpg|thumb|Das Gehzeug]]
 
[[Bild:Gehzeug.jpg|thumb|Das Gehzeug]]
 
[[Bild:Gehzeug_Originalskizze_Konflacher.jpg|thumb|Originalskizze von Dr. Hermann Knoflacher]]
 
[[Bild:Gehzeug_Originalskizze_Konflacher.jpg|thumb|Originalskizze von Dr. Hermann Knoflacher]]
Unter '''Gehzeug''' versteht man eine 1975 von Dr. Hermann Knoflacher erdachte und gebaute Konstruktion, welche die Diskrepanz zwischen dem Platzbedarf eines [[Auto|PKW]]s und dem eines Fußgängers illustrieren und damit die Fehlentwicklungen in der Verkehrsplanung aufzeigen und karikieren soll. Letztlich sollen diese Verhältnisse ins öffentliche Bewusstsein gebracht werden, damit Projekte wie Autofreie Innenstädte an Akzeptanz gewinnen.
+
Unter '''Gehzeug''' versteht man eine 1975 von Dr. Hermann Knoflacher erdachte und gebaute Konstruktion, welche die Diskrepanz zwischen dem Platzbedarf eines [[Auto|PKWs]] und dem eines Fußgängers illustrieren und damit die Fehlentwicklungen in der [[Verkehrsplanung]] aufzeigen und karikieren soll. Letztlich soll die Groteskheit dieser Verhältnisse ins öffentliche Bewusstsein gebracht werden, damit Projekte wie [[Autofreie Innenstädte]] an Akzeptanz gewinnen.
Bei der "Erfindung" handelt es sich um einen Holzrahmen in der Größe eines Mittelklassewagens (4,30 x 1,70 m), den sich ein Fußgänger umhängen kann, um das Recht auf Raum in der Öffentlichkeit in Anspruch zu nehmen, das auch Autofahrern zugesprochen wird.
+
Bei der "Erfindung" handelt es sich um einen Holzrahmen in der Größe eines Mittelklassewagens (4,30 x 1,70 m), den sich ein [[Fußgänger]] umhängen kann, um das Recht auf Raum in der Öffentlichkeit in Anspruch zu nehmen, das auch Autofahrern zugesprochen wird.
Als Vorstand des Instituts für Verkehrsplanung und -technik an der Technischen Universität Wien macht Knoflacher mit dem Gehzeug darauf aufmerksam, dass, wenn alle Fußgänger auf den Gehsteigen so viel Platz bräuchten, wie Autos auf der Straße, es dort schnell zu den selben Verhältnissen käme: Riesiger Platzverbrauch, Staus und der Ruf nach Verbreiterung der Gehwege.
+
Als Vorstand des Instituts für Verkehrsplanung und -technik an der Technischen Universität Wien macht Knoflacher mit dem Gehzeug darauf aufmerksam, dass, wenn alle Fußgänger auf den Gehsteigen so viel Platz bräuchten, wie Autos auf der Straße, es dort schnell zu den selben [[Verkehr]]sverhältnissen käme: Riesiger Platzverbrauch, Staus und der Ruf nach Verbreiterung der Gehwege.
   
 
Das Gehzeug wird heute vor allem in Österreich verwendet. In Demonstationen gehen teilweise größere Gruppen mit den umgehängten Platzhalten, um die Verkehrspolitik- und -entwicklung anschaulich zu kritisieren <ref>[http://www.fairkehr.net www.fairkehr.net]</ref>.
 
Das Gehzeug wird heute vor allem in Österreich verwendet. In Demonstationen gehen teilweise größere Gruppen mit den umgehängten Platzhalten, um die Verkehrspolitik- und -entwicklung anschaulich zu kritisieren <ref>[http://www.fairkehr.net www.fairkehr.net]</ref>.
Zeile 9: Zeile 9:
 
==Kritik==
 
==Kritik==
   
Die Konstruktion wird von einer Person getragen, wenngleich im Straßenverkehr ein Auto mit durchschnittlich immerhin 1,5 bis 1,7 Personen besetzt ist<ref>[http://www.bahn.de/p/view/planen/reiseplanung/umc/1_umweltbilanz.shtml »Der UmweltMobilCheck der Deutschen Bahn: Umweltvergleiche aus dem Rechner«] / [http://www.stmwivt.bayern.de/energie/energiespartipps/frames/06mobil.html Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie über MOBILITÄT] </ref>.
+
Das Gehzeug kann die durch Autos verursachte Belastung von Mensch, Umwelt und Verkehrsfluss nicht 100%ig simulieren. Zwar wird die Konstruktion von nur einer Person getragen, wohingegen PKW mit durchschnittlich immerhin 1,5 bis 1,7 Personen besetzt sind<ref>[http://www.bahn.de/p/view/planen/reiseplanung/umc/1_umweltbilanz.shtml »Der UmweltMobilCheck der Deutschen Bahn: Umweltvergleiche aus dem Rechner«] / [http://www.stmwivt.bayern.de/energie/energiespartipps/frames/06mobil.html Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie über MOBILITÄT] </ref>. Dagegen sind - außer bei Sondermodellen des Gehzeugs - die Aspekte von Lärm- und Abgasbelastung durch echte PKW nicht repräsentiert. Auch erscheint der Platzverbrauch, der vor allem dargestellt werden soll, weniger drastisch - unbeachtet bleiben:
 
* Freie Straße, die bei Geschwindigkeiten über Schrittgeschwindigkeit als Gefahrenraum ebenfalls nicht benutzt werden kann
 
 
* Platz für Sicherheitsabstand zwischen fahrenden PKW
Das Gehzeug simuliert lediglich den Platzbedarf eines in Schrittgeschwindigkeit fahrenden Pkws. Unbeachtet bleiben:
 
* Freie Straße, die als Gefahrenraum dennoch nicht benutzt werden kann
 
* Platz für Sicherheitsabstand bei höheren Geschwindigkeiten
 
 
* Raum um ein parkendes Auto, damit dessen Türen noch geöffnet werden können
 
* Raum um ein parkendes Auto, damit dessen Türen noch geöffnet werden können
* Abstand, den man von realen Pkws halten sollte, um nicht Gefahr zu laufen, deren Lack zu zerkratzen
+
* Abstand, den man, z.B. mit dem [[Fahrrad]] von realen PKW hält, um nicht Gefahr zu laufen, deren Lack zu zerkratzen
   
Teilweise wird die Idee als "Spielerei" bezeichnet <ref>[http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%B6schkandidaten/12._September_2007#Gehzeug_.28Verkehrsplanung.29 Diskussion in der Wikipedia über eine frühere Version dieses Artikels]</ref>.
+
Von manchen Autoren der Wikipedia wird die Idee außerdem als "Spielerei" bezeichnet <ref>[http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%B6schkandidaten/12._September_2007#Gehzeug_.28Verkehrsplanung.29 Diskussion in der Wikipedia über eine frühere Version dieses Artikels]</ref> und natürlich stößt jede Kritik am Autoverkehr auf die Gegenrede, dass die Vorzüge des Autos, etwa für die medizinische Versorgung, essenziell sind.
   
 
== Links ==
 
== Links ==
* [http://www.ivv.tuwien.ac.at/news/allgemein/gehzeug.html Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der TU Wien]
 
 
* [http://www.fairkehr.net fairkehr] Verein zur Förderung verkehrspolitischer Bewusstseinsbildung
 
* [http://www.fairkehr.net fairkehr] Verein zur Förderung verkehrspolitischer Bewusstseinsbildung
* [http://www.Gehzeug.de www.Gehzeug.de] weist - vermutlich seit der Debatte über die Löschung in der Wikipedia - auf [http://www.jahreswagen.de/ www.jahreswagen.de], wo Mercedes Benz Autos zum Kauf angeboten werden.
 
   
 
== Quellen ==
 
== Quellen ==
   
 
<references/>
 
<references/>
 
 
[[Kategorie:Aktionen]]
 
[[Kategorie:Aktionen]]
  +
[[Kategorie:Verkehr]]
  +
[[Kategorie:Auto]]

Aktuelle Version vom 23. Mai 2018, 19:16 Uhr

Das Gehzeug

Originalskizze von Dr. Hermann Knoflacher

Unter Gehzeug versteht man eine 1975 von Dr. Hermann Knoflacher erdachte und gebaute Konstruktion, welche die Diskrepanz zwischen dem Platzbedarf eines PKWs und dem eines Fußgängers illustrieren und damit die Fehlentwicklungen in der Verkehrsplanung aufzeigen und karikieren soll. Letztlich soll die Groteskheit dieser Verhältnisse ins öffentliche Bewusstsein gebracht werden, damit Projekte wie Autofreie Innenstädte an Akzeptanz gewinnen. Bei der "Erfindung" handelt es sich um einen Holzrahmen in der Größe eines Mittelklassewagens (4,30 x 1,70 m), den sich ein Fußgänger umhängen kann, um das Recht auf Raum in der Öffentlichkeit in Anspruch zu nehmen, das auch Autofahrern zugesprochen wird. Als Vorstand des Instituts für Verkehrsplanung und -technik an der Technischen Universität Wien macht Knoflacher mit dem Gehzeug darauf aufmerksam, dass, wenn alle Fußgänger auf den Gehsteigen so viel Platz bräuchten, wie Autos auf der Straße, es dort schnell zu den selben Verkehrsverhältnissen käme: Riesiger Platzverbrauch, Staus und der Ruf nach Verbreiterung der Gehwege.

Das Gehzeug wird heute vor allem in Österreich verwendet. In Demonstationen gehen teilweise größere Gruppen mit den umgehängten Platzhalten, um die Verkehrspolitik- und -entwicklung anschaulich zu kritisieren [1].

Kritik[]

Das Gehzeug kann die durch Autos verursachte Belastung von Mensch, Umwelt und Verkehrsfluss nicht 100%ig simulieren. Zwar wird die Konstruktion von nur einer Person getragen, wohingegen PKW mit durchschnittlich immerhin 1,5 bis 1,7 Personen besetzt sind[2]. Dagegen sind - außer bei Sondermodellen des Gehzeugs - die Aspekte von Lärm- und Abgasbelastung durch echte PKW nicht repräsentiert. Auch erscheint der Platzverbrauch, der vor allem dargestellt werden soll, weniger drastisch - unbeachtet bleiben:

  • Freie Straße, die bei Geschwindigkeiten über Schrittgeschwindigkeit als Gefahrenraum ebenfalls nicht benutzt werden kann
  • Platz für Sicherheitsabstand zwischen fahrenden PKW
  • Raum um ein parkendes Auto, damit dessen Türen noch geöffnet werden können
  • Abstand, den man, z.B. mit dem Fahrrad von realen PKW hält, um nicht Gefahr zu laufen, deren Lack zu zerkratzen

Von manchen Autoren der Wikipedia wird die Idee außerdem als "Spielerei" bezeichnet [3] und natürlich stößt jede Kritik am Autoverkehr auf die Gegenrede, dass die Vorzüge des Autos, etwa für die medizinische Versorgung, essenziell sind.

Links[]

  • fairkehr Verein zur Förderung verkehrspolitischer Bewusstseinsbildung

Quellen[]